Förderstopp für ProQuote Medien: Verein sieht Arbeit gefährdet

Hamburg, den 05. März 2026 – Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat nach neun Jahren Förderung einen umfangreichen Antrag von ProQuote Medien e.V. zur Beobachtung und Analyse des Geschlechter-Backlashes innerhalb der deutschen Medienlandschaft abgelehnt. Damit fehlen dem Verein 600.000 Euro für die nächsten drei Jahre. „Die Dringlichkeit, weibliche Perspektiven in unserer Demokratie zu stärken, scheint an dieser Stelle nicht mehr zu bestehen“, erklärt Katharina Preuth aus dem Vereinsvorstand. „Damit haben wir nicht gerechnet und sind entsprechend enttäuscht.“ Ohne diese Förderung kann die Erhebung des Frauenmachtanteils der deutschen Leitmedien nicht fortgeführt werden. Auch weiterführende Studien, Social-Media-Präsenz sowie Fachkonferenzen als Orte des Austauschs, der Vernetzung und der solidarischen Bündnisbildung stehen vor dem Aus. ProQuote Medien zählt und analysiert als einzige Institution in der deutschen Medienlandschaft seit 2012 regelmäßig den Frauenmachtanteil der deutschen Leitmedien. Dieser lag damals bei 14,39 Prozent, wuchs bis 2022 bis auf 39,9 Prozent an und sinkt seither kontinuierlich. “Unsere Zählungen zeigen einen besorgniserregenden Rückgang seit gut drei Jahren”, so Vorständin Preuth. Dieser Backlash im Journalismus konnte nur durch die systematische Datenerhebung sichtbar gemacht werden. “Gerade in Zeiten von zunehmenden Rechtsextremismus, antifeministischer Bewegungen und populistischer Narrative ist Transparenz über Machtverhältnisse in Medien zentral für eine wehrhafte Demokratie.”  Seit 2017 finanzierte das Bundesministerium die halbjährlichen Leitmedienzählungen. Darüber hinaus ermöglichte die Förderung qualitative Studien, die untersuchten, welche strukturellen Barrieren Frauen im Journalismus vom Aufstieg in Führungspositionen abhalten.  “Wir wollen unsere wichtige Arbeit unbedingt weiterführen, das ist jedoch nur mit finanzieller Unterstützung möglich”, sagt Vorstandsmitglied Preuth. Der Verein ist aktuell auf der Suche nach anderen Fördermöglichkeiten. Hier finden Sie alle Studien von ProQuote Hier finden Sie die aktuelle Leitmedienzählung Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „Stern“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Welt“ – und seit 2021 die „tageszeitung“. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle. ProQuote Medien fordert, die Hälfte der journalistischen Spitzenpositionen weiblich zu besetzen.

Immer weniger Frauen in journalistischen Führungspositionen – Frauenmachtanteil sinkt auf 37,5 Prozent

Hamburg, den 13. Februar 2026 – In großen deutschen Print- und Online-Medien sinkt der durchschnittliche Frauenmachtanteil in journalistischen Führungspositionen erneut. Er liegt nun bei 37,5 Prozent. Gegenüber der Zählung im Juli 2025 entspricht das einem Minus von 0,3 Prozentpunkten. Spitzenreiterin bleibt die taz mit einem Frauenmachtanteil von 61,3 Prozent. Allerdings verzeichnet auch sie einen Rückgang um 3,8 Prozentpunkte im Vergleich zu Juli 2025. Positiv hervorzuheben ist die Entwicklung bei der Süddeutschen Zeitung: Sie erreicht mit einem Frauenmachtanteil von mehr als 50 Prozent Rang zwei und legt gegenüber der Zählung im Vorjahr um 4,8 Prozentpunkte zu. Eine weitere Verschiebung im Ranking: Die Zeit liegt nun mit 42,6 Prozent auf Platz drei, während Der Spiegel 3,9 Prozentpunkte verliert und auf Rang vier zurückfällt. Bild, Stern, FAZ und Focus bleiben im Vergleich zur vergangenen Zählung weitgehend unverändert. Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei der Welt: Der Frauenmachtanteil sinkt weiter auf 16,7 Prozent – ein Minus von 1,3 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Der neue Chefredakteur Helge Fuhst, der Anfang 2026 die Nachfolge von Jan Philipp Burgard antreten soll, war zum Zeitpunkt der Zählung noch nicht im Impressum vermerkt und konnte daher nicht berücksichtigt werden. Wäre dies der Fall gewesen, läge der Frauenmachtanteil bei lediglich 14,9 Prozent – ein Rückgang um 3,1 Prozentpunkte. Dies hätte auch spürbare Auswirkungen auf den durchschnittlichen Frauenmachtanteil insgesamt. „Der erneute Rückgang auf 37,5 Prozent ist ein deutliches Warnsignal für die Medienhäuser“, sagt ProQuote-Vorständin Edith Heitkämper. „Gleichstellung in journalistischen Führungspositionen passiert nicht von selbst – sie ist eine Führungsaufgabe. Wer publizistische Verantwortung übernimmt, muss auch Verantwortung für vielfältige Perspektiven in Redaktionen tragen. Bleibt diese aus, verengt sich der Blick auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – mit Folgen für journalistische Qualität und demokratische Meinungsbildung.“ Die Werte von Januar 2026 im Überblick:  Rang Redaktion Gewichteter Frauenmachtanteil Veränderung zu Juli 2025 (in Prozentpunkten) Rang im Juli 2025 1. taz 61,3 % – 3,8  1 2. Süddeutsche 52,7 % + 4,8 2 3. Die Zeit 42,6 % +0,3 4 4. Der Spiegel 41,4 % – 3,9 3 5. Bild 37,9 % 0,0 5 6. Stern 35,8 % + 0,6 6 7. FAZ 25,0 % + 0,2 7 8. Focus 23,9 % 0,0 8 9. Welt 16,7 % -1,3 % 9 Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „Stern“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Welt“ – und seit 2021 die „tageszeitung“. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle. ProQuote Medien fordert, die Hälfte der journalistischen Spitzenpositionen weiblich zu besetzen. Nähere Informationen: www.pro-quote.de, E-Mail: presse@pro-quote.de.

Onlinemedien fortschrittlich? Von wegen! ProQuote Medien-Studie zeigt Abwärtstrend von Frauen in Führung

Hamburg, den 08. November 2025 – Nach Jahren positiver Entwicklung sinkt der Frauenmachtanteil im Journalismus das zweite Jahr in Folge. Besonders abgeschlagen sind Regionalzeitungen und Onlinemedien, mit Anteilen von knapp 20 Prozent und darunter. Der Frauenmachtanteil sinkt nach zehn Jahren positiver Entwicklung auf knapp 38 Prozent. Das bremst den Fortschritt hin zu einer geschlechtergerechten Verteilung von Führung im Journalismus spürbar. ProQuote Medien fordert die Hälfte der Macht: 50 Prozent Frauen in Führungspositionen in deutschen Medienhäusern. Stattdessen liegt der gewichtete Frauenanteil bei den Leitmedien aktuell bei 37,8 Prozent. Damit ist der Anteil zum zweiten Mal in Folge leicht gesunken. Dazu ProQuote Medien Vorständin Edith Heitkämper: “Vielfalt in Führungsspitzen ist nicht nur eine Frage der Fairness, sondern auch der Qualität und Zukunftsfähigkeit unserer Medien.“ Der Quervergleich unter den neun Tages- und Wochenzeitungen zeigt, dass Frauen an der Spitze der Medien, die sich bei politisch progressiven Ansichten verorten lassen (Spiegel, Zeit, Süddeutsche Zeitung, Stern) höher repräsentiert sind, als bei jenen mit bürgerlich-konservativer Ausrichtung (FAZ, Focus, Bild, Welt). Regionalzeitungen: Im Regionaljournalismus sind die Führungspositionen noch einmal deutlich homogener besetzt: Von 109 gezählten Chefredakteur:innen sind 86 männlich. Gemeinsam mit den Stellvertreter:innen entspricht das einem Frauenmachtanteil von 22 Prozent. Anders als bei großen überregionalen Medien sind diese Angebote inzwischen häufig die einzige Quelle für professionellen Journalismus über Landespolitik und Kommunen. Rundfunk: Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben in den oberen beiden Hierarchiestufen acht von dreizehn Sendern einen Frauenanteil von fast 50-Prozent oder höher. Im Mittel liegt er bei 53 Prozent. Trotzdem fallen einzelne große Sender, wie der NDR, die Deutsche Welle und das Deutschlandradio mit Anteilen von nur 25 bis 33 Prozent auf. Die Programme von RTL verantworten ebenfalls nur 33 Prozent Frauen. Beim zweiten untersuchten Privatsender ProSiebenSat.1 ist die Führung ausschließlich männlich. Ebenfalls wenig Macht haben Frauen in den Redaktionen der 34 ausgewerteten privaten Radiosender, mit einem Frauenanteil von im Mittel knapp 12 Prozent. Onlinemedien: Die Führung bei Onlinemedien, Newsseiten bekannter Zeitungen, reine Onlinenachrichten oder Special-Interest-Seiten zu Gesundheit, Sport, Familie oder Technik, sind ebenfalls kein Vorbild in geschlechtergerechter Führung. Im Mittel erreichen die 30 reichweitenstärksten Onlinemedien einen Frauenmachtanteil von nur 16,7 Prozent. Der geringste Wert innerhalb der fünf untersuchten Medienformen. Magazine: Sinkende Zahlen von Leserinnen und Lesern und der resultierende Sparzwang haben die Strukturen bei Zeitschriften verändert. Untersucht wurde die Führung in Publikationen unterschiedlicher Segmente, wie Nachrichten, Wirtschaft, Gesundheit, Familie und Sport. Durch mehrere Titel im Bereich Frauen, Lifestyle und Gesundheit liegt der Frauenanteil bei 44,3 Prozent. Felder wie Politik, Nachrichten und Wissen sind weiterhin männlich dominiert. Dazu besteht ein anhaltender Trend, Titel zu Multifunktionschefredaktionen zusammenzulegen – diese sind auffallend häufig männlich besetzt. Warum sind unsere Zahlen so wichtig? Es geht um eine gerechte Verteilung von Chancen und beruflicher Perspektiven für Frauen im Journalismus. Aber gleichzeitig entscheidet geschlechtergerechte Führung neben geografischer Herkunft, sozialer Herkunft, sexueller Orientierung und Erfahrung von Behinderung – auch über die inhaltliche Vielfalt und die Qualität der Berichterstattung. „In einer funktionierenden Demokratie braucht es journalistische Angebote, die die Lebensrealität und Bedürfnisse verschiedener gesellschaftlicher Schichten in den Diskurs einbringen. Wer sich nicht einbezogen fühlt, lehnt demokratische Prinzipien irgendwann ab“, so Studienleiterin Helena Ott. Es scheint, als lägen die Prioritäten innerhalb von Redaktionen in Zeiten von Wirtschaftskrise, Rechtsruck, Trump-Amerika, Ukraine- und Gazakrieg auf anderen Theman. Gleichzeitig sind plural besetzte Redaktionen und Führungsspitzen gerade jetzt umso wichtiger, um den Blick von Frauen und Männern auf solche Krisen gleichgewichtig zu ermöglichen. Dies stärkt das Vertrauen in unabhängige Medien, es hilft, die Demokratie stark zu erhalten. Studie herunterladen Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „Stern“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Welt“ – und seit 2021 die „tageszeitung“. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle. Nähere Informationen: www.pro-quote.de, E-Mail: presse@pro-quote.de.

Weniger Frauen in Führung -Abwärtstrend des Frauenmachtanteils in Deutschlands Leitmedien geht weiter

Hamburg den 29. Juli 2025 – Der Anteil von Frauen in Führungspositionen deutscher Leitmedien ist zum dritten Mal in Folge rückläufig. Er beträgt zurzeit 37,8 Prozent. Damit liegt er fast zwei Prozentpunkte niedriger als bei der Zählung im Februar 2024. Damals hatte er mit 39,5 Prozent einen vorläufigen Höhepunkt. Seitdem ist der Anteil weiblicher Führungskräfte bei den neun größten und einflussreichsten Zeitungsredaktionen kontinuierlich gesunken. Die von uns geforderte Parität ist damit weiter in die Ferne gerückt”, kritisiert ProQuote-Vorständin Edith Heitkämper. Einzig die taz liegt wiederholt mit einem Frauenmachtanteil von 65 Prozent über der von ProQuote Medien geforderten Verteilung von Spitzenpositionen im Journalismus. Einen Rückgang der Beteiligung von Frauen in Führung zeigt bei der aktuellen Zählung vor allem DIE WELT, die sich von 23 Prozent auf 18 Prozent verschlechtert. Auch der Frauenmachtanteil beim stern sinkt um drei Prozentpunkte ab. “Wir von ProQuote beobachten diesen Abstieg mit Sorge. Noch vor kurzem war man stolz darauf, mehr Gleichberechtigung in die Führungsriege zu bekommen, der stern erzielte mehr als 44 Prozent. Nun bewegt er sich zwischen Bild und FAZ auf den hinteren Plätzen. Schade.“ Weiterhin ist die Spanne innerhalb der neun Leitmedien groß. Nach der taz folgen Süddeutsche Zeitung mit 48 Prozent, DER SPIEGEL mit 45 Prozent und DIE ZEIT mit einem gewichteten Frauenanteil von 42 Prozent. Am unteren Ende des Rankings stehen weiterhin FAZ, FOCUS und DIE WELT mit Frauenmachtanteilen von jeweils unter einem Viertel. „Setzt sich die Richtung fort und der Frauenmachtanteil der Leitmedien sinkt weiter, wäre das ein fatales Signal“, so Edith Heitkämper, „in einer Zeit, in der zunehmend der Schutz von Minderheiten diskreditiert wird, Frauen, die für öffentliche Ämter kandidieren, Hetzkampagnen ausgesetzt sind und der Deutsche Bundestag nur zu einem Drittel mit Frauen besetzt ist.“ Der deutsche Journalismus braucht Meinungsvielfalt und die Perspektive von Frauen. Dabei geht es um eine gerechte Verteilung von beruflichen Perspektiven. Und darum, dass weibliche Führungskräfte sich oft auch inhaltlich stärker um die Präsenz weiblicher Perspektiven, Protagonistinnen und Expertinnen in ihren Publikationen kümmern. „Vielfältige Perspektiven im Journalismus auf Tagesgeschehen, Politik, Wirtschaft oder Sport sind entscheidend für die Meinungsbildung in der pluralen Demokratie“, so die Vorständin. Neben Frauen fehle es deutschen Medienhäusern auch an Menschen mit unterschiedlicher Migrationsgeschichte, sexuellen Orientierung, Gender, Alter oder Menschen mit Behinderung. Der Verein ProQuote Medien e.V. erneuert seine Forderung nach einem Frauenmachtanteil von 50 Prozent in den deutschen Leitmedien. In den ersten zehn Jahren der Erhebung haben viele Redaktionen gezeigt, dass sie die Forderung ernst nehmen, dass es einen Weg zu Veränderung gibt, wenn der Wille besteht. In einem Fall etwa nahm die Anzahl weiblicher Führungskräfte in dieser Zeit von zuerst fünf Prozent auf über 40 Prozent zu. Diese Anstrengungen müssen jetzt weiter gehen. Die Werte von Juli 2025 im Einzelnen: Rang Redaktion Gewichteter Frauenmachtanteil Veränderung zu Januar 2025 (in Prozentpunkten) Rang im Januar 2025 1. taz 65,1 % + 0,5 1. 2. Süddeutsche Zeitung 47,9 % + 2,6 2. 3. Der Spiegel 45,3 % + 2,3 3. 4. Die Zeit 42,3 % + 1,8 4. 5. Bild 37,9 % 0 6. 6. Stern 35,2 % – 3,2 5. 7. FAZ 24,8 % + 0,5 8. 8. Focus 23,9 % + 1,2 9. 9. Welt 18,0 % – 6,5 7. Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „Stern“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Welt“ – und seit 2021 die „tageszeitung“. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle. Nähere Informationen: www.pro-quote.de, E-Mail: presse@pro-quote.de.

ARD zur Causa Mischke: Zentrale Forderungen bleiben unbeantwortet

Hamburg, 16. April 2025 – Die ARD hat im Fall Thilo Mischke erste Konsequenzen gezogen. Ein Anfang, findet ProQuote Medien – aber längst nicht ausreichend, um die tief verankerten strukturellen Probleme zu beheben, die dieser Fall offengelegt hat. Dass die Verantwortlichen bei titel thesen temperamente (ttt) Thilo Mischke trotz sexistischer Passagen in seinen Büchern und irritierender Aussagen in der Öffentlichkeit (ihm wurden Sexismus, Rassismus und Ableismus vorgeworfen) als Moderator engagieren wollten, zeigt erneut, wie stark patriarchale und diskriminierende Strukturen in der Medienbranche verankert sind. Die bisherigen Maßnahmen der ARD hält ProQuote Medien für unzureichend.  Seit Bekanntwerden der Causa Mischke im Dezember 2024 fordern wir: Bis heute sind diese Forderungen nicht erfüllt worden. Laut DWDL stellt die ARD ihre Kultursendung nun neu auf und räumt Fehler ein.  “Einzelmaßnahmen reichen nicht aus”, sagt Corinna Cerruti, Vorstandsvorsitzende von ProQuote Medien. “Wer es ernst meint mit Gleichstellung und Verantwortung, muss die strukturellen Ursachen angehen. Die Aufarbeitung der ARD wirkt bislang eher wie Symptombehandlung.“ Wir erkennen Fortschritte an – als Schritt, nicht als Ziel Die klare Zuständigkeit des MDR für „ttt“ schafft bessere Transparenz und Verantwortlichkeit. Neue Kriterien für Castingprozesse können zu mehr Fairness führen – vorausgesetzt sie werden konsequent angewendet und überprüft. ProQuote Medien begrüßt diese Ansätze, betont jedoch: Sie dürfen nicht das Ende einer Debatte markieren, sondern müssen müssen der Ausgangspunkt echter systemischer Veränderungen sein. Es braucht echte strukturelle Reformen, damit sich ein solcher Fall nicht wiederholt. 

ProQuote Medien fordert NDR-Verwaltungsrat auf, historische Chance nicht verstreichen zu lassen

Hamburg den 11. April 2025 – Die Nachfolge der NDR-Intendanz ist weiter offen: Wer beerbt Joachim Knuth? Bislang hat es in der Geschichte des Norddeutschen Rundfunks noch keine Frau an die Spitze geschafft. Gerade erst hat Sandra Harzer-Kux als einzige Kandidatin zwar die Mehrheit, jedoch nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit im Rundfunkrat erhalten – und wird somit nicht die erste NDR-Intendantin. Damit hat der Rundfunkrat bereits eine historische Chance verstreichen lassen: Er hätte zeigen können, dass der NDR eine Gleichstellung der Geschlechter nicht nur in der Theorie begrüßt, sondern auch an der Spitze umsetzt. Der Verein ProQuote Medien fordert, dass endlich eine Intendantin in der langen Liste männlicher Intendanten folgt. Der Verwaltungsrat hatte in einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren am Ende eine Frau und zwei Männer in der engeren Auswahl – aus ihnen hat der Rat dann Sandra Harzer-Kux vorgeschlagen. Wird der nächste Vorschlag also einer der zwei Männer, die zuvor knapp scheiterten? Der Verwaltungsrat hat laut Rundfunkstaatsvertrag jetzt einen Monat Zeit, um dem Rundfunkrat einen neuen Kandidaten oder eine neue Kandidatin vorzuschlagen. „Sollte er sich für einen der zwei Männer entscheiden“, so Rebekka Gorges, stellvertretende Vorsitzende von ProQuote Medien, „ist dies ein deutliches Zeichen nach außen, dass Geschlechtergerechtigkeit für diese NDR-Spitzenposition offenbar keine wichtige Rolle spielt.“ Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „Stern“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Welt“ – und seit 2021 die „tageszeitung“. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle. ProQuote Medien fordert, die Hälfte der journalistischen Spitzenpositionen weiblich zu besetzen. Nähere Informationen: www.pro-quote.de, E-Mail: presse@pro-quote.de.

Verkauf von Frauentiteln: ProQuote kritisiert Bertelsmann und appelliert an Funke

Hamburg den 25. März 2025 – Bertelsmann verkauft den Großteil seiner verbliebenen Zeitschriftensparte Gruner & Jahr: Mit Bestürzung hat ProQuote Medien den Verkauf der renommierten Zeitschriftentitel Brigitte, Gala und Eltern an die Funke Mediengruppe aufgenommen. Betroffen sind rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter überproportional viele Frauen. Diese journalistischen Marken werden vorwiegend von Frauen für Frauen gemacht, häufig mit Frauen in Führung. „Dass ausgerechnet diese Titel verkauft werden, ist bezeichnend und wird der journalistischen Verantwortung von Bertelsmann nicht gerecht“, so ProQuote Medien Vorstandsvorsitzende Corinna Cerruti. Noch hat das Kartellamt der Übernahme nicht zugestimmt. Bei Zustimmung sollen die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laut Bertelsmann alle mit ihren bestehenden Arbeitsverträgen bei Funke übernommen werden. Bei der Belegschaft herrscht nun große Unsicherheit, was den Arbeitsplatz angeht, wie ProQuote aus Insiderkreisen erfahren hat. Die Mitarbeitenden befürchten langfristig die Zusammenlegung von Redaktionen und damit einhergehende Kündigungen. Der Schritt sei außerdem überraschend gekommen, erst im Januar waren die Redaktionen in einen neuen Standort in Hamburg umgezogen, arbeiteten dort zuversichtlich an der Zukunft der Marken. Auch die Art der Kommunikation sorgt für Unmut, wie ProQuote aus den betroffenen Redaktionen erfuhr: So wurde etwa ein erster Kennenlerntermin mit Funke auf den Nachmittag gelegt – wenn zahlreiche Teilzeitkräfte wegen Care-Arbeit nicht teilnehmen können. „Diese Mitarbeitenden – häufig Frauen – nicht mitzudenken, ist enttäuschend und rückwärtsgewandt”, so Corinna Cerruti. ProQuote Medien appelliert deshalb an die Funke Mediengruppe: „Nehmen Sie die Verantwortung ernst und schützen Sie den von Frauen gemachten Journalismus für die Zeitschriftenvielfalt in Deutschland! Sichern Sie deshalb langfristig die Arbeitsplätze der engagierten Kolleginnen.” Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „Stern“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Welt“ – und seit 2021 die „tageszeitung“. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle. ProQuote Medien fordert, die Hälfte der journalistischen Spitzenpositionen weiblich zu besetzen. Nähere Informationen: www.pro-quote.de, E-Mail: presse@pro-quote.de.

Weniger Frauen in Führung – Abwärtstrend des Frauenmachtanteils in Deutschlands Leitmedien geht weiter

ProQuote Medien spricht von einem „alarmierenden Signal“ Auf dem Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit in Deutschlands Print- und Online-Leitmedien geht es Die Geschlechtergerechtigkeit ist innerhalb deutscher Print- und Online-Leitmedien rückläufig. Diesen Trend beobachtet ProQuote Medien auch bei der aktuellen Zählung: Erneut ist der durchschnittliche Frauenmachtanteil in den journalistischen Führungspositionen gesunken und beträgt nun nur noch 38,0 Prozent. Im Vergleich zum Juli 2024 sind das 0,7 Prozentpunkte weniger. „Das erneute Absinken des Frauenmachtanteils ist ein alarmierendes Signal. Verlage müssen sich ihrer Verantwortung stellen, die Medienlandschaft gleichberechtigter und diverser zu gestalten“, fordert ProQuote-Vorständin Edith Heitkämper, „Vielfalt in Führungsspitzen ist nicht nur eine Frage der Fairness, sondern auch der Qualität und Zukunftsfähigkeit unserer Medien.“ Bei der Rangfolge der untersuchten Medien zeigen sich nur geringe Verschiebungen: Die taz liegt mit 64,5% klar an der Spitze. Bildete im Juli 2024 noch die FAZ das Schlusslicht, ist es nun der Focus mit 22,7%, dieser Trend beim Focus zeigte sich bereits im Juli 2024. Gleichgeblieben sind die Süddeutsche und die ZEIT. Verbessern konnte sich der SPIEGEL auf 43,3% und die BILD auf 38,1%. Der Stern verzeichnet mit fünf Prozentpunkten den größten Machtverlust und ist nun auf Platz 5, dicht gefolgt von der Welt mit minus 3,1 Prozentpunkten. „Wenn die Zahlen zurückgehen, weil wir den Blick auf Frauen in Führung in deutschen Medien nicht mehr für so wichtig erachten, wird uns das auf die Füße fallen,“ so Edith Heitkämper, „Die Relevanz dieses Themas zeigt sich in diesen Tagen besonders deutlich, wenn wir auf die internationalen politischen Entwicklungen blicken. Für eine Berichterstattung in Zeiten von Fake News brauchen wir Qualität und Glaubwürdigkeit – und die gibt es, wenn Führungsetagen der Medienhäuser auf größere Vielfalt setzen.“ Die Werte von Januar 2025 im Einzelnen: Rang Redaktion Gewichteter Frauenmachtanteil Veränderung zu Juli 2024 Rang im Juli 2024 1. taz 64,5% -0,6% 1. 2. Süddeutsche Zeitung 45,3% 0,3% 2. 3. Der Spiegel 43,3% 1,1% 4. 4. Die Zeit 40,1% 0% 5. 5. Stern 38,4% -5,1% 3. 6. Bild 38,1% 1,8% 6. 7. Die Welt 24,5% -3,1% 7. 8. FAZ 24,3% 0,9% 9. 9. Focus 22,7% -2,3% 8. Rennen im neuen Fenster öffnen Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „Stern“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Welt“ – und seit 2021 die „tageszeitung“. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle. ProQuote Medien fordert, die Hälfte der journalistischen Spitzenpositionen weiblich zu besetzen. Nähere Informationen: www.pro-quote.de, E-Mail: presse@pro-quote.de.

ProQuote Medien fordert Konsequenzen und Transparenz in der Causa Mischke

Hamburg, 07. Januar 2025 – Als Netzwerk, das für Gleichberechtigung und Diversität in den Medien einsteht, fordert ProQuote nicht nur eine öffentliche Entschuldigung von ttt, sondern auch konkrete Maßnahmen zur Aufarbeitung und Prävention. Wir fordern: Der Umgang von titel thesen temperamente (ttt) mit der Besetzungsentscheidung rund um Thilo Mischke hat einmal mehr die tief verankerten patriarchalen und diskriminierenden Strukturen in der Medienbranche offengelegt. Trotz berechtigter Kritik an Mischkes Vergangenheit – die sexistische Aussagen und die Befürwortung von sexualisierter Gewalt einschließt – reagierte die Redaktion zunächst zögerlich und letztlich ohne echte Selbstreflexion. Den entscheidenden Wendepunkt brachte der öffentliche Druck: Nachdem am 19.12.2024 ttt Mischke als neuen Moderator bekannt gab, veröffentlichten die Journalistinnen Annika Brockschmidt und Rebekka Endler gemeinsam mit Anja Rützel am 23.12.2024 die Podcastfolge “Causa TTThilo Mischke” in ihrem Podcast Feminist Shelf Control. In dieser Folge beleuchtet der Podcast die problematischen Hintergründe von Mischkes Büchern und diversen Aussagen sowie die Verantwortung von ttt, sich klar gegen solche patriarchalen Strukturen zu positionieren. Doch erst am 02.01.2025, als sich prominente Kulturschaffende in einem offenen Brief an die ARD wandten und eine Zusammenarbeit mit ttt unter diesen Umständen ausschlossen, handelten die Verantwortlichen. Letztendlich entschied sich ttt, Mischke doch nicht als Moderator einzusetzen. Anstatt Verantwortung für diese Fehlentscheidung zu übernehmen, veröffentlichte ttt eine Erklärung auf Instagram, die den Fokus darauf legt, „einen weiteren Rufschaden von ttt und Thilo Mischke abzuwenden“ – ein Schlag ins Gesicht all jener, die für eine diskriminierungskritische und reflektierte Medienlandschaft kämpfen. Image-Schachzug statt ernsthafte Reflexion Diese Entscheidung macht deutlich: Es ging nicht um eine kritische Auseinandersetzung mit eigenen Werten oder eine ernsthafte Reflexion über die Reproduktion sexistischer, rassistischer und patriarchaler Strukturen. Stattdessen handelte es sich um einen reinen Image-Schachzug, der den Druck von außen abfedern sollte. Eine echte Entschuldigung? Fehlanzeige. Besonders irritierend ist die Aussage der ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, die die „Debatte um Mischke“ als problematisch bezeichnet und zur „normalen Debattenkultur“ zurückkehren möchte. Diese Worte wirken wie ein weiterer Versuch, bestehende Machtverhältnisse zu verteidigen und die Kritik an struktureller Diskriminierung als unangemessen darzustellen. Doch was ist in diesem Kontext „normal“? Wer definiert diese Norm? Aus intersektional feministischer Perspektive ist klar: „Normale Debattenkultur“ ist zu oft ein Synonym für weiße patriarchale “Bro Culture”, wie schon Mareice Kaiser dieses Phänomen treffend betitelte. Die Stimmen marginalisierter Gruppen werden unterdrückt und ein kritisches Hinterfragen von Machtstrukturen im Keim erstickt. Die Causa Mischke ist ein Symptom eines viel größeren Problems. Solange Medienschaffende die Verantwortung für ihre Entscheidungen meiden und Kritik mit Begriffen wie „Debattenkultur“ delegitimiert wird, wird sich an den bestehenden Strukturen nichts ändern. Es ist an der Zeit, echte Verantwortung zu übernehmen und diskriminierungssensible, inklusive Räume in der Medienwelt zu schaffen. ProQuote fordert Konsequenzen und TransparenzAls Netzwerk, das für Gleichberechtigung und Diversität in den Medien einsteht, fordert ProQuote nicht nur eine öffentliche Entschuldigung von ttt, sondern auch konkrete Maßnahmen zur Aufarbeitung und Prävention.

Neue Studie von ProQuote Medien: Führungsfrauen in den Medien – Wie Care-Arbeit und fehlende Förderung den Weg nach oben erschweren

Berlin, 9. Oktober 2024 – In den Führungsetagen deutscher Redaktionen haben nach wie vor hauptsächlich Männer das Sagen – obwohl der Frauenanteil im Journalismus seit vielen Jahren ansteigt. Woran liegt es, dass sich die ungleiche Machtverteilung zwischen den Geschlechtern so hartnäckig hält? Und was muss geschehen, damit sich das ändert? Diese Fragen untersucht die qualitative Studie von ProQuote Medien: „Führungsfrauen in den Medien: der harte Weg nach oben“. Sie wird heute in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Studie analysiert zunächst die aktuelle Situation der Journalistinnen: Demnach geht die Schere zwischen den Karriereverläufen von Journalistinnen und Journalisten vor allem in der Altersspanne zwischen 30 und 39 Jahren auseinander. In dieser Zeit übernehmen Männer deutlich häufiger leitende redaktionelle Positionen als Frauen. Journalistinnen sind zugleich stärker in der Care-Arbeit für Kinder und Angehörige engagiert als Journalisten. Diese Erkenntnisse basieren auf quantitativen Befunden der repräsentativen Journalist*innen-Befragung „Worlds of Journalism“ des Leibniz-Instituts für Medienforschung. “Das ist das entscheidende Jahrzehnt, in dem Männer ihre Karriere ausbauen und viel zu viele Frauen zerrissen sind zwischen Job und junger Familie”, so ProQuote-Vorstandsvorsitzende Corinna Cerruti. “Die Studie zeigt, dass genau hier Verlage und Medienhäuser ansetzen sollten, wenn sie qualifizierte Frauen in Führung halten möchten: Durch konkrete Angebote wie flexibler Arbeitszeit und Kinderbetreuung und Vorbildern im Unternehmen, die zeigen, dass Care-Arbeit nicht automatisch Frauensache ist, sondern auf beide Partner verteilt wird.” Um die neuralgischen Punkte in weiblichen Karrierebiografien genauer zu untersuchen, hat das Studienteam in einer qualitativen Untersuchung 30 führende Journalistinnen aus regionalen und überregionalen Medien interviewt. Die anonymisierten Gespräche wurden anschließend softwaregestützt ausgewertet. Im Ergebnis zeigen sich deutliche Muster: So schildert ein Großteil der befragten Frauen, dass sie keinen Karriereplan verfolgt haben. Die meisten sind durch Kolleg*innen oder Chef*innen ermutigt worden, sich für eine verantwortliche Position zu bewerben. Obwohl es ihnen nicht an Selbstvertrauen für ihre Leistung mangelt, berichten viele der Journalistinnen über große Selbstzweifel, wenn es darum geht, Positionen mit Verantwortung zu übernehmen. “Diese Wahrnehmung deckt sich mit vielen Beispielen, die uns bei ProQuote Medien erreichen”, so Vorständin Edith Heitkämper, “Frauen trauen sich oft nicht, sich proaktiv auf eine Führungsstelle zu bewerben, wenn sie nicht in allen Punkten den Anforderungen entsprechen. Umso wichtiger ist es, dass Frauen im Journalismus zahlreich an die Spitze gelangen. Damit erfolgreiche Führungsfrauen in den Medien keine Exotinnen sind, sondern die Normalität abbilden.” Strukturelle Förderung, etwa durch eine kontinuierliche, systematische Entwicklung von Nachwuchsführungskräften, Frauen-Netzwerke oder Mentoring-Programme, haben die Interviewpartnerinnen kaum erhalten. Hingegen berichten sie mehrheitlich von geschlechtsspezifischen Hürden auf ihrem Karriereweg wie Problemen bei der Rückkehr nach der Elternzeit oder Sexismus am Arbeitsplatz. Zudem erweist es sich als große Herausforderung, Führungsaufgaben und Familie miteinander zu vereinbaren, auch wenn viele Medienhäuser inzwischen zeitlich und örtlich flexibles Arbeiten ermöglichen.Die Leiterinnen der Studie, Susanne Lang und Anna von Garmissen, verweisen auf eine hohe Teilnahmebereitschaft unter den angefragten führenden Journalistinnen in Print, Rundfunk und Onlinemedien: „Das Bedürfnis, die persönlich erlebten Erfahrungen zu teilen, um anderen Frauen ihre Karriere im Journalismus zu erleichtern, war in vielen Interviews deutlich zu spüren.“ Aus den Gesprächen leitet ProQuote Medien sieben Handlungsempfehlungen ab. Sie zielen darauf ab, die strukturelle Entwicklung weiblicher Führungskräfte im Journalismus, die Vereinbarkeit und die Unternehmenskultur in Medienhäusern zu verbessern.  Corinna Cerruti und Edith Heitkämper von ProQuote Medien diskutieren die Ergebnisse am heutigen Mittwoch im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin mit Bundesfrauenministerin Lisa Paus, mit Bascha Mika, der ehemaligen Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, Journalismusforscherin Prof. Dr. Wiebke Loosen und Marie-Louise Timcke, Leiterin Datenjournalismus bei der Süddeutschen Zeitung. Zitate der Panelistinnen: Bundesfrauenministerin Lisa Paus:  “Die Studie zeigt: Es gibt Fortschritte auf dem Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit im Journalismus. Aber auch, dass wir noch längst nicht am Ziel sind. In Redaktionen, Sendern, Verlagen verdienen Journalistinnen mehrere Hundert Euro weniger als Journalisten. Und da, wo die Entscheidungen fallen, sitzen mehrheitlich Männer am Tisch. Ich unterstütze, dass Lohntransparenz auch bei den Medien als Arbeitgeber Realität wird. Und dass Medienhäuser ihr Personal so entwickeln, dass Frauen in Führungspositionen keine Ausnahme mehr sind. Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen ist ein Beitrag zur Qualität im Journalismus. Ich bin dankbar, dass Akteurinnen wie ProQuote unermüdlich Machtstrukturen hinterfragen und Transparenz einfordern. Sorgen wir dafür, dass der Weg für die nächste Generation von Frauen in den Medien gerechter wird!“ Marie-Louise Timcke, Leiterin Datenjournalismus bei der Süddeutschen Zeitung: “Gehalt und Karrierechancen sollten von Fähigkeiten und Entwicklungspotenzial abhängen – nicht von den Reproduktionsorganen.“ Bascha Mika, ehemaligen Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau:“In deutschen Medien wird viermal mehr über Männer als über Frauen berichtet. Woran das wohl liegt? Könnte es vielleicht sein, dass sich in den Redaktionen noch immer zu viel Testosteron breit macht und Frauen die Luft zum Atmen und zum Entscheiden fehlt?“ Prof. Dr. Wiebke Loosen, Medienwissenschaftlerin Leibniz Institut für Medienforschung, Hamburg: “Es darf nicht allein die Frage des individuellen Durchsetzungsvermögens sein, ob Frauen im Journalismus strukturelle Hürden überwinden können.Die Forschung zeigt, dass diese Hürden noch bestehen. Wir sollten nicht allein den Benachteiligten die Veränderung dieser Strukturen aufbürden. Das muss im geteilten Interesse und eine Aufgabe von allen Beteiligten sein. “ ProQuote-Vorstandsvorsitzende Corinna Cerruti: „Seit zwölf Jahren kämpfen wir dafür, Frauen in den Medien sichtbarer zu machen und besser zu vernetzen. Es ist 2024 – doch statt Fortschritt sehen wir Rückschritte. Das muss sich ändern! Wer an den Schalthebeln der Macht sitzt, kann die Weichen für echte Gleichberechtigung stellen. Nur durch moderne Führungskultur, flexible Arbeitszeitmodelle und echte Vielfalt in den Chefetagen wird der Journalismus die Gesellschaft in ihrer ganzen Breite repräsentieren.” Ein PDF der 60-seitigen Studie steht ab sofort zum Download auf www.pro-quote.de/studien/ zur Verfügung. Die Studie wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert. Über ProQuote Medien: Der gemeinnützige Verein besteht aus Journalist*innen, Medienschaffenden und Unterstützer*innen. Gegründet wurde er 2012, um die Sichtbarkeit von Frauen in den Medien zu erhöhen. Heute setzt sich ProQuote Medien dafür ein, nicht-männliche Perspektiven im Journalismus abzubilden – für eine vielfältige Medienlandschaft, eine gerechte Machtverteilung im Journalismus und mehr Frauen an der Spitze.

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