Hamburg, 16. September. Die Printkrise wirft Licht auf eine Führungskrise: Nur acht der 356 Zeitungen in Deutschland werden von Frauen geleitet – ab dem 1. Oktober kommt mit der “BILD am Sonntag” endlich eine neunte hinzu. “Offenbar nehmen nur BILD und ZEIT ernst, was Tausende Journalisten – von Anne Will bis zum Volontär – und viele Leser fordern: Frauen mitentscheiden zu lassen, was dieses Land liest, sieht und hört”, analysiert ProQuote-Vorsitzende Annette Bruhns. Neben Springers Boulevardblättern holte auch die ZEIT eine Frau in ihre Chefredaktion.

“Wieso glaubt man beim SPIEGEL, Focus, Stern, manager magazin, Handelsblatt, der Rheinischen Post oder der Ostthüringer Zeitung, dass allein Männer die sinkenden Auflagen stoppen können?” fragt Bruhns. Alle genannten hatten kürzlich ihre Chefredaktionen mit neuen Männern bestückt. Dass Blattmacher-Talent indes nicht geschlechtsabhängig ist, beweise der Erfolg von Gabriele Fischer, Chefredakteurin von brand eins. Und den Coup, aus dem Nichts auf eine Millionenauflage zu kommen, landete eine Frau: Ute Frieling-Huchzermeyer mit ihrer Zeitschrift “Landlust”.

“Während Julia Jäkel bei Gruner + Jahr verlegerische Entscheidungen zunehmend in Frauenhände legt, verharrt Print in alten Mustern”, erklärt Bruhns, “die Chefredakteure scheuen Veränderung und holen Buddys an ihre Seite.” Möglicherweise fürchteten sie Widerspruch, der in gemischten Teams eher zu erwarten sei. “Reibung könnte das Feuer entfachen, das Leserinnen und Leser missen.”

Im Wahlkampf hat ProQuote Spitzenpolitiker zur Männerdominanz in den Medien befragt. Ursula von der Leyen, Vize-Chefin der CDU, mahnt: “Wer heute noch Monokulturen pflegt, läuft immer ein hohes Risiko, morgen vom Markt zu verschwinden.” Netz-Expertin Anke Domscheit-Berg von den Piraten erinnert die Branche an ihre Verantwortung: “Medien schaffen mächtige Bilder und beeinflussen damit Realität. In Deutschland behindern sie leider Fortschritt und Geschlechtergerechtigkeit.”

Weitere Statements von Peer Steinbrück (SPD), Gerda Hasselfeldt (CSU), Rainer Brüderle (FDP), Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Diana Golze (Linke) zu ProQuote unter www.pro-quote.de/politiker/

Hier finden Sie aktuelle Tortengrafiken mit der Verteilung der Führungsposten bei diesen acht Leitmedien: Spiegel, zeit, FAZ, SZ, Bild, Welt, Focus, Stern.

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Querverweis: Mit dem Begriff Frauen* beziehen wir uns auf alle Personen, die sich als Frauen identifizieren oder von der Gesellschaft als Frauen gelesen werden, einschließlich Transfrauen, Intersexuellen, Nonbinary Personen und allen, die sich mit dem weiblichen Spektrum identifizieren, um die Vielfalt und Komplexität von Geschlechtsidentitäten anzuerkennen und einzuschließen.

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