Stillstand auf dem Weg zur Gleichberechtigung: Frauenmachtanteil in den Führungspositionen der „Zeit“ sackt unter die 30-Prozent-Marke

Hamburg, 28.01.2019

In Sachen Gleichstellung sind „Stern“ und „Zeit Online“ die derzeit führenden deutschen Leitmedien. Das ergeben die neuesten Zählungen des Vereins ProQuote Medien. Danach erreicht der „Stern“ im Januar 2019 einen Frauenmachtanteil von 44,4 Prozent – und damit den höchsten Wert einer Printredaktion seit Beginn der Zählungen 2012. Hauptursache ist der Aufstieg der bisherigen „stern.de“-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier in die Print-Chefredaktion, die sie nun gemeinsam mit Florian Gless innehat. Zudem sind 2018 die meisten „Stern“-Ressortleitungen an Doppelspitzen aus je einer Frau und einem Mann übertragen worden.

Im selben Maße wie der gedruckte „Stern“ sich vorwärts bewegt, macht „stern.de“ Rückschritte: 9.3 % weniger Macht für Frauen seit Juli 2018. Damit ging in den Online-Redaktionen der Republik der Spitzenwert von 50 Prozent Frauen in Führungspositionen auf 42 Prozent zurück. Auf Platz eins liegt nun „Zeit Online“. Nennenswert zulegen konnte lediglich „Focus Online“, das mit 39,5 Prozent Frauenmachtanteil den dritten Rang belegt. Am schlechtesten schneiden nach wie vor „bild.de“, „welt.de“ und „faz.net“ ab.

Die neuen Zahlen von ProQuote Medien geben also keinen Anlass zur Freude: In den meisten Redaktionen stagniert oder sinkt der gewichtete Anteil an Führungsfrauen, auch in den Printredaktionen.

Bei der „Zeit“ sank der Wert erstmals seit 2012 unter die 30-Prozent-Marke. Leicht verloren hat auch der „Spiegel“, er liegt mit 37,3 Prozent auf Platz zwei. Die übrigen Titel dümpeln größtenteils bei Frauenmachtanteilen um die 25 Prozent oder sogar noch darunter. Schlusslichter bleiben „FAZ“ (17,1%) und „Focus“ (13,9%).

„Offenbar lassen die Bemühungen um Gleichstellung in vielen Redaktionen nach“, sagt Maren Weber, Vorsitzende von ProQuote Medien. Der Verein werde das nicht akzeptieren. „Wir machen weiter Druck – mit Fakten und Aktionen“, verspricht Weber.

Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote die Frauenanteile in den journalistischen Führungspositionen deutscher Medien. Zu den untersuchten Leitmedien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „Stern“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Welt“ sowie – seit 2015 – die zugehörigen Online-Redaktionen. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird – je höher die Position, desto größer die Machtfülle. Die Entwicklung der Zahlen ist als animiertes Kamele- und Straußenrennen auf www.pro-quote.de/kamele-und-straussenrennen zu beobachten. ProQuote Medien fordert, die Hälfte der journalistischen Spitzenpositionen weiblich zu besetzen.

Die aktuellen Zahlen in Tabellenform:

Print:

Rangfolge Januar 2019

Veränderung zu Juli 2018 in Prozentpunkten

1.

Stern

44,4%

+ 10,1

2.

Spiegel

37,3%

-0,7

3.

Zeit

27,7%

-3,8

4.

SZ

26,4%

-0,6

5.

Bild

24,8%

+1,2

6.

Welt

24,3%

+0,3

7.

FAZ

17,1%

0,0

8.

Focus

13,9%

0,0

 

Online:

Rangfolge Januar 2019

Veränderung zu Juli 2018 in Prozentpunkten

1.

Zeit Online

42,0%

+0,7

2.

Stern Online

40,7%

-9,3

3.

Focus Online

39,5%

+5,2

4.

Sueddeutsche.de

33,3%

+0,9

5.

Spiegel Online

32,5%

-1,5

6.

bild.de

21,7%

+0,6

7.

welt.de

20,0%

0,0

8.

faz.net

12,9%

0,0

 

2019-02-27T12:27:30+02:0028. Januar 2019|