Die Medienlandschaft in einem der wirtschaftsstärksten Bundesländer bleibt fest in Männerhand. Am 05. Februar wird mal wieder ein Mann an die Spitze eines Rundfunksenders berufen: Manfred Krupp. Damit bleiben hr, FAZ und nahezu alle hessischen Regionalzeitungen reine Männerbastionen. Einziges positives Beispiel: die Frankfurter Rundschau mit Bascha Mika in einem gemischten Doppel an der Spitze.

Der Hessische Rundfunk hat bei der rund 30 Tage dauernden Suche nach einem Nachfolger für den bisherigen Intendanten Helmut Reitze die einmalige Chance verpasst, eine Frau für die Spitze eines der größten Rundfunkhäuser in Deutschland zu benennen. Die Auswahlkommission, an der zehn Männer und nur zwei Frauen beteiligt waren, hatte nach Informationen der beiden Journalistinnen-Verbände ProQuote Medien e.V. und Journalistinnenbund e.V. keine einzige Frau auf die Nominierungsliste gesetzt! Manfred Krupp, der das Amt nun antritt, war bisher hr-Fernsehdirektor und stellvertretender Intendant.

ProQuote und der Journalistinnenbund appellieren nun an den hr, zumindest für den Posten des Fernsehdirektors, die Nachfolge von Krupp, eine Frau zu benennen. Hat der hr bei der Suche für den Intendantenposten überhaupt nach einer Frau Ausschau gehalten? Oder hat er ein Frauen-Förderproblem?, fragen sich die beiden Journalistinnen-Vereine.

Beim hr arbeiten nach Angaben des Senders rund 1600 feste Mitarbeiter in verschiedenen Vertragsverhältnissen, davon 760 Frauen. In leitender Position sind sechs Frauen (Bereichs- und Ressortleitung) und 15 Männer. Auf der obersten Ebene gibt es keine einzige Frau. „Männer berufen mal wieder Männer an die Spitze“, kritisiert Melanie Ahlemeier von ProQuote Medien e.V. „Wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender ohne Journalistinnen in der Spitze agiert, ignoriert er die Hälfte der Gesellschaft“, sagt Journalistinnenbund-Vorsitzende Rebecca Beerheide.

Nachdem die ARD mal drei Frauen als Intendantinnen hatte, sind nun nur noch zwei übrig geblieben: Dagmar Reim und Karola Wille. Reim tritt im Sommer dieses Jahres von der Spitze des Rundfunk Berlin-Brandenburg ab. Auf der Führungsebene der ARD gibt es dann nur noch eine Frau: Karola Wille vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), die seit diesem Jahr ARD-Vorsitzende ist.

Querverweis: Mit dem Begriff Frauen* beziehen wir uns auf alle Personen, die sich als Frauen identifizieren oder von der Gesellschaft als Frauen gelesen werden, einschließlich Transfrauen, Intersexuellen, Nonbinary Personen und allen, die sich mit dem weiblichen Spektrum identifizieren, um die Vielfalt und Komplexität von Geschlechtsidentitäten anzuerkennen und einzuschließen.

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