Immer weniger Frauen in journalistischen Führungspositionen – Frauenmachtanteil sinkt auf 37,5 Prozent

Hamburg, den 13. Februar 2026 – In großen deutschen Print- und Online-Medien sinkt der durchschnittliche Frauenmachtanteil in journalistischen Führungspositionen erneut. Er liegt nun bei 37,5 Prozent. Gegenüber der Zählung im Juli 2025 entspricht das einem Minus von 0,3 Prozentpunkten.

Spitzenreiterin bleibt die taz mit einem Frauenmachtanteil von 61,3 Prozent. Allerdings verzeichnet auch sie einen Rückgang um 3,8 Prozentpunkte im Vergleich zu Juli 2025. Positiv hervorzuheben ist die Entwicklung bei der Süddeutschen Zeitung: Sie erreicht mit einem Frauenmachtanteil von mehr als 50 Prozent Rang zwei und legt gegenüber der Zählung im Vorjahr um 4,8 Prozentpunkte zu.

Eine weitere Verschiebung im Ranking: Die Zeit liegt nun mit 42,6 Prozent auf Platz drei, während Der Spiegel 3,9 Prozentpunkte verliert und auf Rang vier zurückfällt. Bild, Stern, FAZ und Focus bleiben im Vergleich zur vergangenen Zählung weitgehend unverändert.

Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei der Welt: Der Frauenmachtanteil sinkt weiter auf 16,7 Prozent – ein Minus von 1,3 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Der neue Chefredakteur Helge Fuhst, der Anfang 2026 die Nachfolge von Jan Philipp Burgard antreten soll, war zum Zeitpunkt der Zählung noch nicht im Impressum vermerkt und konnte daher nicht berücksichtigt werden. Wäre dies der Fall gewesen, läge der Frauenmachtanteil bei lediglich 14,9 Prozent – ein Rückgang um 3,1 Prozentpunkte. Dies hätte auch spürbare Auswirkungen auf den durchschnittlichen Frauenmachtanteil insgesamt.

„Der erneute Rückgang auf 37,5 Prozent ist ein deutliches Warnsignal für die Medienhäuser“, sagt ProQuote-Vorständin Edith Heitkämper. „Gleichstellung in journalistischen Führungspositionen passiert nicht von selbst – sie ist eine Führungsaufgabe. Wer publizistische Verantwortung übernimmt, muss auch Verantwortung für vielfältige Perspektiven in Redaktionen tragen. Bleibt diese aus, verengt sich der Blick auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – mit Folgen für journalistische Qualität und demokratische Meinungsbildung.“

Die Werte von Januar 2026 im Überblick:
 

RangRedaktionGewichteter FrauenmachtanteilVeränderung zu Juli 2025 (in Prozentpunkten)Rang im Juli 2025
1.taz61,3 %– 3,8 1
2.Süddeutsche52,7 %+ 4,82
3.Die Zeit42,6 %+0,34
4.Der Spiegel41,4 %– 3,93
5.Bild37,9 %0,05
6.Stern35,8 %+ 0,66
7.FAZ25,0 %+ 0,27
8.Focus23,9 %0,08
9.Welt16,7 %-1,3 %9

Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „Stern“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Welt“ – und seit 2021 die „tageszeitung“. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle. ProQuote Medien fordert, die Hälfte der journalistischen Spitzenpositionen weiblich zu besetzen.

Nähere Informationen: www.pro-quote.de, E-Mail: presse@pro-quote.de.

Kontakt

040 / 257 647 31

presse@pro-quote.de

kontakt@pro-quote.de

Postanschrift Geschäftsstelle:
ProQuote Medien e.V.
Am Felde 13, 22765 Hamburg

Newsletter Anmeldung

© 2024 ProQuote Medien e.V.