Hamburg, den 08. November 2025 – Nach Jahren positiver Entwicklung sinkt der Frauenmachtanteil im Journalismus das zweite Jahr in Folge. Besonders abgeschlagen sind Regionalzeitungen und Onlinemedien, mit Anteilen von knapp 20 Prozent und darunter.
Der Frauenmachtanteil sinkt nach zehn Jahren positiver Entwicklung auf knapp 38 Prozent. Das bremst den Fortschritt hin zu einer geschlechtergerechten Verteilung von Führung im Journalismus spürbar. ProQuote Medien fordert die Hälfte der Macht: 50 Prozent Frauen in Führungspositionen in deutschen Medienhäusern. Stattdessen liegt der gewichtete Frauenanteil bei den Leitmedien aktuell bei 37,8 Prozent. Damit ist der Anteil zum zweiten Mal in Folge leicht gesunken. Dazu ProQuote Medien Vorständin Edith Heitkämper: “Vielfalt in Führungsspitzen ist nicht nur eine Frage der Fairness, sondern auch der Qualität und Zukunftsfähigkeit unserer Medien.“
Der Quervergleich unter den neun Tages- und Wochenzeitungen zeigt, dass Frauen an der Spitze der Medien, die sich bei politisch progressiven Ansichten verorten lassen (Spiegel, Zeit, Süddeutsche Zeitung, Stern) höher repräsentiert sind, als bei jenen mit bürgerlich-konservativer Ausrichtung (FAZ, Focus, Bild, Welt).
Regionalzeitungen:
Im Regionaljournalismus sind die Führungspositionen noch einmal deutlich homogener besetzt: Von 109 gezählten Chefredakteur:innen sind 86 männlich. Gemeinsam mit den Stellvertreter:innen entspricht das einem Frauenmachtanteil von 22 Prozent. Anders als bei großen überregionalen Medien sind diese Angebote inzwischen häufig die einzige Quelle für professionellen Journalismus über Landespolitik und Kommunen.
Rundfunk:
Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben in den oberen beiden Hierarchiestufen acht von dreizehn Sendern einen Frauenanteil von fast 50-Prozent oder höher. Im Mittel liegt er bei 53 Prozent. Trotzdem fallen einzelne große Sender, wie der NDR, die Deutsche Welle und das Deutschlandradio mit Anteilen von nur 25 bis 33 Prozent auf. Die Programme von RTL verantworten ebenfalls nur 33 Prozent Frauen. Beim zweiten untersuchten Privatsender ProSiebenSat.1 ist die Führung ausschließlich männlich. Ebenfalls wenig Macht haben Frauen in den Redaktionen der 34 ausgewerteten privaten Radiosender, mit einem Frauenanteil von im Mittel knapp 12 Prozent.
Onlinemedien:
Die Führung bei Onlinemedien, Newsseiten bekannter Zeitungen, reine Onlinenachrichten oder Special-Interest-Seiten zu Gesundheit, Sport, Familie oder Technik, sind ebenfalls kein Vorbild in geschlechtergerechter Führung. Im Mittel erreichen die 30 reichweitenstärksten Onlinemedien einen Frauenmachtanteil von nur 16,7 Prozent. Der geringste Wert innerhalb der fünf untersuchten Medienformen.
Magazine:
Sinkende Zahlen von Leserinnen und Lesern und der resultierende Sparzwang haben die Strukturen bei Zeitschriften verändert. Untersucht wurde die Führung in Publikationen unterschiedlicher Segmente, wie Nachrichten, Wirtschaft, Gesundheit, Familie und Sport. Durch mehrere Titel im Bereich Frauen, Lifestyle und Gesundheit liegt der Frauenanteil bei 44,3 Prozent. Felder wie Politik, Nachrichten und Wissen sind weiterhin männlich dominiert. Dazu besteht ein anhaltender Trend, Titel zu Multifunktionschefredaktionen zusammenzulegen – diese sind auffallend häufig männlich besetzt.
Warum sind unsere Zahlen so wichtig?
Es geht um eine gerechte Verteilung von Chancen und beruflicher Perspektiven für Frauen im Journalismus. Aber gleichzeitig entscheidet geschlechtergerechte Führung neben geografischer Herkunft, sozialer Herkunft, sexueller Orientierung und Erfahrung von Behinderung – auch über die inhaltliche Vielfalt und die Qualität der Berichterstattung. „In einer funktionierenden Demokratie braucht es journalistische Angebote, die die Lebensrealität und Bedürfnisse verschiedener gesellschaftlicher Schichten in den Diskurs einbringen. Wer sich nicht einbezogen fühlt, lehnt demokratische Prinzipien irgendwann ab“, so Studienleiterin Helena Ott.
Es scheint, als lägen die Prioritäten innerhalb von Redaktionen in Zeiten von Wirtschaftskrise, Rechtsruck, Trump-Amerika, Ukraine- und Gazakrieg auf anderen Theman. Gleichzeitig sind plural besetzte Redaktionen und Führungsspitzen gerade jetzt umso wichtiger, um den Blick von Frauen und Männern auf solche Krisen gleichgewichtig zu ermöglichen. Dies stärkt das Vertrauen in unabhängige Medien, es hilft, die Demokratie stark zu erhalten.
Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „Stern“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Welt“ – und seit 2021 die „tageszeitung“. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle.
Nähere Informationen: www.pro-quote.de, E-Mail: presse@pro-quote.de.

