Hamburg, 10. Juni  ARD und ZDF lassen bei der WM in Brasilien die Fußballspiele live aus dem Stadion ausschließlich von Männern kommentieren. Die Journalisteninitiative “ProQuote” hat den Deutschen Fußballbund gefragt, ob dies noch zeitgemäß sei. Der DFB sieht keinen Anlass für weibliche Zurückhaltung bei der Fußballkommentierung. “Im Rahmen der Medienarbeit für die Nationalmannschaft arbeiten wir mit Journalistinnen genauso gern und qualifiziert zusammen wie mit den männlichen Kollegen'”, erklärt DFB-Sprecher Jens Grüttner.

Dass es auch auf Medienseite anders geht, zeigt der Privatsender Sky. Die Übertragung des DFB-Pokalfinals moderierten jüngst sogar vier Frauen und zwei Männer. “Frauen spielen bei der Sportberichterstattung bei Sky schon immer dieselbe Rolle wie Männer”, sagt Sky-Sport-Vorstand Carsten Schmidt. Die Zuschauer zappten deshalb nicht weg. “Der Sky-Abonnent erwartet von uns eine erstklassige Übertragung mit journalistischer Kompetenz. Die bekommt er von unserem Team – egal, ob von Damen oder Herren.”

Sky-DFB-Finale-Moderatorin Jessica Kastrop hat für den WM-Männerclub der öffentlich-rechtlichen Sender wenig Verständnis. .”Wahrnehmung und Anerkennung lassen sich nur verändern, wenn Frauen in Spitzenpositionen zum Tagesgeschäft gehören”, ist Kastrop überzeugt, “und nicht mehr wie ein Kanarienvogel im Spatzenschwarm wirken.” Die 39-Jährige ist Quotenbefürworterin, auch im Sport. “Es ist an der Zeit, dass es niemanden mehr kümmert, ob da nun Männlein oder Weiblein am Spielfeldrand stehen.” In den Nachrichten funktioniere das schließlich auch.

Weibliche Fußballstars sehen das  ähnlich.  “In erster Linie sind Kompetenz und Ahnung von der Materie wichtig”, bewertet Stefanie Draws vom 1. FFC Turbine Potsdam gegenüber ProQuote die Arbeit von Kommentatoren. “Ob es dann ein Mann oder eine Frau ist, finde ich nachrangig.” Martina Moser von der TSG Hoffenheim betont: “Natürlich würde ich es begrüßen, wenn auch professionelle Fußballerinnen dabei wären und Spiele kommentierten sowie Sendungen moderierten.”