Erste Studie von ProQuote Medien zur Gleichstellung im Rundfunk: Deutsche Welle und RBB schneiden am besten ab

Berlin, 22.11.2018 – Ist die Führungsebene des deutschen Rundfunks immer noch eine Männerdomäne? ProQuote Medien hat erstmals detailliert untersucht, wie es um die Geschlechterverteilung in programmverantwortlichen Positionen bestellt ist. Der erste Teil der Studie „Welchen Anteil haben Frauen an der publizistischen Macht in Deutschland?“ wird heute in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

Im Ergebnis schneiden die Deutsche Welle und der Rundfunk Berlin-Brandenburg am besten ab: Beide Anstalten erfüllen die Forderung von ProQuote Medien nach der Hälfte der redaktionellen Macht für Frauen. Die Deutsche Welle erreicht einen gewichteten Frauenmachtanteil von 51,9 Prozent, der RBB 51,0 Prozent. Auch WDR (44,6 Prozent), NDR (40,1 Prozent) und ZDF (39,4 Prozent) befinden sich auf dem Weg zu einer ausgeglichenen Teilhabe der Geschlechter in Spitzenpositionen. Die Führungsebenen kleinerer Anstalten wie Radio Bremen (32,2 Prozent), Saarländischer Rundfunk (25,6 Prozent) und Deutschlandradio (24,3 Prozent) sind hingegen noch weitgehend männlich geprägt. Grundlage der Zählung waren die Organigramme von zwölf öffentlich-rechtlichen Sendern, ausgewertet wurden jeweils die vier obersten Hierarchieebenen.

Der private Rundfunk stellte keine Organigramme zur Verfügung, sodass vergleichbar aussagekräftige Werte nicht ermittelt werden konnten. Auswertungen der öffentlich zugänglichen Informationen über das Top-Management ergaben Frauenanteile von 21,4 Prozent bei der RTL-Mediengruppe und 19,8 Prozent bei ProSiebenSat.1. In weiteren Auswertungen hat ProQuote Medien unter anderem 136 Studioleiter und Korrespondenten im Ausland gezählt (Frauenanteil: 31,6 Prozent) sowie 149 öffentlich-rechtliche und private Programmleitungen im Hörfunk (Frauenanteil:  24,8 Prozent). Zitate aus Gesprächen mit Gleichstellungsbeauftragten sowie Angaben zu frauenfördernden Maßnahmen der Sender runden die Betrachtungen der Studie ab.

ProQuote Medien diskutiert die Ergebnisse am heutigen Donnerstag beim Deutschlandradio in Berlin mit führenden Persönlichkeiten aus Politik und Medien. Teilnehmer der von Sandra Maischberger moderierten Debatte sind Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey, ZDF-Chefredakteur Peter Frey, Senior Vice President ProSiebenSat.1 Media SE Annette Kümmel, NDR-Intendant Lutz Marmor, Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien und Sabine Stamer vom Vorstand des Vereins ProQuote Medien.

Ein PDF der 80-seitigen Studie steht ab sofort hier zum Download zur Verfügung. Der zweite Teil mit Fokus auf Print- und Onlinemedien erscheint 2019. Die Studie wird gefördert und unterstützt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Über ProQuote Medien: Der gemeinnützige Verein zählt und vergleicht seit 2012 die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen ausgewählter deutscher Medien. Zur Ermittlung der Frauenmachtanteile werden die Hierarchieebenen gewichtet – je höher die Position, desto größer die Machtfülle. Nähere Informationen zu Methoden, Grundgesamtheiten und Quellen enthält die Studie.

2019-01-21T10:47:01+00:00 22. November 2018|