Hamburg den 29. Juli 2025 – Der Anteil von Frauen in Führungspositionen deutscher Leitmedien ist zum dritten Mal in Folge rückläufig. Er beträgt zurzeit 37,8 Prozent. Damit liegt er fast zwei Prozentpunkte niedriger als bei der Zählung im Februar 2024. Damals hatte er mit 39,5 Prozent einen vorläufigen Höhepunkt. Seitdem ist der Anteil weiblicher Führungskräfte bei den neun größten und einflussreichsten Zeitungsredaktionen kontinuierlich gesunken. Die von uns geforderte Parität ist damit weiter in die Ferne gerückt”, kritisiert ProQuote-Vorständin Edith Heitkämper.
Einzig die taz liegt wiederholt mit einem Frauenmachtanteil von 65 Prozent über der von ProQuote Medien geforderten Verteilung von Spitzenpositionen im Journalismus. Einen Rückgang der Beteiligung von Frauen in Führung zeigt bei der aktuellen Zählung vor allem DIE WELT, die sich von 23 Prozent auf 18 Prozent verschlechtert. Auch der Frauenmachtanteil beim stern sinkt um drei Prozentpunkte ab. “Wir von ProQuote beobachten diesen Abstieg mit Sorge. Noch vor kurzem war man stolz darauf, mehr Gleichberechtigung in die Führungsriege zu bekommen, der stern erzielte mehr als 44 Prozent. Nun bewegt er sich zwischen Bild und FAZ auf den hinteren Plätzen. Schade.“
Weiterhin ist die Spanne innerhalb der neun Leitmedien groß. Nach der taz folgen Süddeutsche Zeitung mit 48 Prozent, DER SPIEGEL mit 45 Prozent und DIE ZEIT mit einem gewichteten Frauenanteil von 42 Prozent. Am unteren Ende des Rankings stehen weiterhin FAZ, FOCUS und DIE WELT mit Frauenmachtanteilen von jeweils unter einem Viertel.
„Setzt sich die Richtung fort und der Frauenmachtanteil der Leitmedien sinkt weiter, wäre das ein fatales Signal“, so Edith Heitkämper, „in einer Zeit, in der zunehmend der Schutz von Minderheiten diskreditiert wird, Frauen, die für öffentliche Ämter kandidieren, Hetzkampagnen ausgesetzt sind und der Deutsche Bundestag nur zu einem Drittel mit Frauen besetzt ist.“
Der deutsche Journalismus braucht Meinungsvielfalt und die Perspektive von Frauen. Dabei geht es um eine gerechte Verteilung von beruflichen Perspektiven. Und darum, dass weibliche Führungskräfte sich oft auch inhaltlich stärker um die Präsenz weiblicher Perspektiven, Protagonistinnen und Expertinnen in ihren Publikationen kümmern. „Vielfältige Perspektiven im Journalismus auf Tagesgeschehen, Politik, Wirtschaft oder Sport sind entscheidend für die Meinungsbildung in der pluralen Demokratie“, so die Vorständin. Neben Frauen fehle es deutschen Medienhäusern auch an Menschen mit unterschiedlicher Migrationsgeschichte, sexuellen Orientierung, Gender, Alter oder Menschen mit Behinderung.
Der Verein ProQuote Medien e.V. erneuert seine Forderung nach einem Frauenmachtanteil von 50 Prozent in den deutschen Leitmedien. In den ersten zehn Jahren der Erhebung haben viele Redaktionen gezeigt, dass sie die Forderung ernst nehmen, dass es einen Weg zu Veränderung gibt, wenn der Wille besteht. In einem Fall etwa nahm die Anzahl weiblicher Führungskräfte in dieser Zeit von zuerst fünf Prozent auf über 40 Prozent zu. Diese Anstrengungen müssen jetzt weiter gehen.
Die Werte von Juli 2025 im Einzelnen:
| Rang | Redaktion | Gewichteter Frauenmachtanteil |
Veränderung zu Januar 2025 |
Rang im Januar 2025 |
| 1. | taz | 65,1 % | + 0,5 | 1. |
| 2. | Süddeutsche Zeitung | 47,9 % | + 2,6 | 2. |
| 3. | Der Spiegel | 45,3 % | + 2,3 | 3. |
| 4. | Die Zeit | 42,3 % | + 1,8 | 4. |
| 5. | Bild | 37,9 % | 0 | 6. |
| 6. | Stern | 35,2 % | – 3,2 | 5. |
| 7. | FAZ | 24,8 % | + 0,5 | 8. |
| 8. | Focus | 23,9 % | + 1,2 | 9. |
| 9. | Welt | 18,0 % | – 6,5 | 7. |
Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „Stern“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Welt“ – und seit 2021 die „tageszeitung“. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle.
Nähere Informationen: www.pro-quote.de, E-Mail: presse@pro-quote.de.

