Sehr geehrte Absenderinnen des Offenen Briefes der “Aktion Pro Quote”,

herzlichen Dank für Ihren Brief vom 26. Februar 2012, in dem Sie fordern, dass in den kommenden fünf Jahren mindestens 30 Prozent der Führungspositionen in den Redaktionen mit Frauen besetzt werden.

Kurz zur Erklärung vorab: Die Nachrichten- und Magazinprogramme der Mediengruppe RTL Deutschland werden zum großen Teil von der 100-prozentigen Tochtergesellschaft infoNetwork bereitgestellt. Innerhalb dieser Firma produzieren in mehr als einem Dutzend Redaktionen und dazugehörigen Supportbereichen rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allein für RTL Television werktäglich 5 bis 6 Stunden Live-Informationsprogramme. Dabei sind die Frauen in der Mehrzahl: Sie stellen 55 Prozent der Beschäftigten.

Es wird Sie deshalb nicht überraschen, sondern hoffentlich freuen zu hören, dass wir die von Ihnen geforderte Quote von Frauen in Führungspositionen erreicht und sogar überschritten haben. Das heißt konkret: 33 Prozent der Führungspositionen sind mit Kolleginnen besetzt. Und das, ohne ein gesetztes Quotenziel, sondern ausschließlich aufgrund der Qualifikation und des Engagements unserer Mitarbeiterinnen. Was auch kein Wunder ist, denn die Mediengruppe RTL Deutschland hat es sich in ihrer Personal-Entwicklung schon seit langem zum Ziel gesetzt, Beschäftigung Gender-übergreifend zu fördern und ganz besonders Rücksicht zu nehmen sowohl auf persönliche als auch auf geschlechtsspezifische Lebensentwürfe. Dies wird umfangreich genutzt – und so ermöglichen wir vielen Mitarbeitern, Männern wie Frauen, die gleichzeitige Umsetzung ihrer beruflichen und privaten Ziele.

Kann uns dieses Ergebnis schon zufrieden stellen? Noch nicht.

Gerade bei der Besetzung von Positionen in der ersten Führungs-Ebene erkennen wir die berufsspezifischen Möglichkeiten und Grenzen unserer bisherigen Fördermaßnahmen. In tagesaktuell arbeitenden Redaktionen, davon vielen mit Schichtdienst, sind die überwiegend von Müttern genutzten Teilzeit-Beschäftigungen leider oft mit den redaktionellen Anforderungen an eine Führungskraft (ständige Erreichbarkeit, aktualitätsbedingte längere Arbeitszeiten, Wochenendarbeit etc.) nur schwer in Einklang zu bringen. Hier stoßen wir als Arbeitgeber, der sich eine familienfreundliche Arbeitsumgebung auf die Fahnen geschrieben hat, auch an die Grenzen unserer Flexibilität, und selbst eine Quote würde diesen Zustand nicht in einer für alle Beteiligten zufrieden stellenden Weise verändern. Dennoch glauben wir, dass sich in den kommenden Jahren der Anteil weiblicher Führungskräfte auf allen Ebenen in unserem Unternehmen weiter erhöhen wird.

Wir halten Sie diesbezüglich gerne auf dem Laufenden.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

Peter Kloeppel